Ridicula und ein paar Mirabilia, mit kurzen Anmerkungen für mein Herz

(zu lesen in den Stunden der düsteren Laune)

 

Das Testament

Da der Graf P. auf dem Sterbebett war, fragte man ihn: ob er kein Testament machen wollte? Nein, sagte er: Es hat unser Herr zwei gemacht (AT/NT), und keines wird gehalten! 

Keines? Ihr Christen, gilt das auch vom zweiten? Es heißt: Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr einander lieb habt, wie ich euch geliebt habe!

 

Beide Parteien haben Recht

Zwei Ritter kamen bei einer Säule, die auf einer Seite ein goldenes, auf der anderen ein silbernes Brustbild zeigte, zusammen. Sie standen gegenüber. Das ist eine schöne Arbeit von Silber, sagte einer; das ist eine schöne Arbeit von Gold, sagte der andere. Sie stritten so lange, bis sie die Standplätze wechselten. - Da schämten sie sich des Zankes, und fanden, dass sie beide Recht gehabt hatten. 

Die Geschichte unserer besten Disputationen! Nur schade, dass wir nicht auch unsere Standplätze so leicht wechseln können, um unsere Torheiten so bald zu fühlen wie diese Ritter!

 

Der Dialog

Der Bischof X. kam auf der Jagd zu einem jungen Hirten, der sprang und hüpfte. Da ergab sich folgendes Gespräch: 

B: Warum so lustig?'
H: Warum sollte ich nicht lustig sein? Ich hab' neue Schuhe, und das Jahr sechs Gulden Lohn, und bekomm' über's Jahr noch mehr!
B: Schau, ich bin auch ein Hirt!
H: Wo hütest du denn?
B: In der Stadt, ich hab' mehr Lohn als du!
H: So, hast du mehr als ich? Wirst halt größere Schafe haben. 

So misst jeder gewöhnliche Mensch jeden anderen nach sich, nur nicht allemal so kaltblütig und naiv wie dieser Hirtenknabe. 

 

Die Verwechslung der Köpfe

Ein Messner hatte eine Krippe mit wächsernen Gesichtern. Weil dieses nun gebrechliche Figuren waren, so waren sie so gerichtet, dass man den Kopf vom Rumpf trennen konnte. Er stellte auf seiner Krippe, wie's gebräuchlich war, die Geschichten der Bibel vor. 

Zum Unglück konnte der Küster zur wichtigsten Zeit seines Amtes nicht gegenwärtig sein; nun musste der Krippenbau dem Kirchenjungen überlassen werden, der sich nicht darauf verstand, die rechten Köpfe auf ihre Rümpfe zu setzen. 

Da kam denn der Kopf der himmlisch-sanften Mutter Jesu auf den Rumpf des höllisch-wilden Herodes, und der Kopf des Herodes auf den Rumpf Mariä zu stehen. 

Diese Kopfverwechslung geschieht im Laufe der Dinge sehr oft: da der Mann mit großem Sinn den Pflug zieht, und der mit dem kleinen an dem Ruder sitzt.

 

Von den Vätern und Müttern unter dem Landvolk

Die Tochter, eine Gans, setzte sich eine schöne Haube auf, und kam zum Vater, um ihm Freude zu machen. "Die Haube wäre schon recht, mein Kind, nur sollte der Kopf anders sein." Was Kopf, fiel die Mutter ein, die Leute sehen doch nur auf die Haube.

Darum finden schlechte Bücher großen Absatz. Denn es gibt unter den Lesern wenig Väter, die auf den Kopf, und viele Mütter, die auf die Haube sehen. 

(WW 38,60-65)