Ein prosaischer Glaubenspsalm am Ostersonntag (Für Ungeübte)

 

Der tot war, lebt wieder; er lebet wieder, und stirbt nimmermehr, Halleluja!

Vom Kreuz stieg Er nicht herunter; aus dem Grabe ging Er hervor.

Der mit einem Speer durchstochen war, lebet wieder; der im Grabe schlief, ist auferstanden.

Gekreuzigt aus Schwachheit war Er; durch Gottes Kraft lebet Er wieder.

Töten ließ Er sich von seinem Volk; aber der Tod konnt’ ihn nicht behalten, den großen Toten.

Der Fürst des Lebens lag im Felsengrab; aber bleiben im Grabe konnt’ Er nicht, der Todesüberwinder.

Mit der Sonntagsmorgensonne kam Er hervor; herrlicher als alle Sonnen ging Er hervor.

Zerbrechen ließ Er seinen Tempel; Priester Gottes, Schriftgelehrte, Heiden zerstörten ihn.

Aufgebaut hat Er wieder seinen Tempel; herrlicher als zuvor, steht am dritten Tag der neugebaute Tempel wieder da, Halleluja!

Schon aus Davids Mund sang Gottes Geist: Du gibst nicht zu, dass dein Heiliger verwese!

Er gab’s nicht zu, der Gott der Lebendigen; der Heilige lebet wieder.

Der Neulebendige sprach’s vor seinem Sterben; am dritten Tag werd’ ich von den Toten auferstehen.

Sein Wort ist Gottes Wort; auferstanden ist Er am dritten Tag, wie Er gesagt, Halleluja!

Die Engel sangen dem Erstandenen das erste Auferstehungslied; sie sangen auch einst dem Neugeborenen das erste Geburtslied, Halleluja! Ehre Gott in den Höhen!

Weggewälzet ist der große Stein; der Bote Gottes setzt sich darauf und tut das große Wunder kund; Er ist nicht hier, Halleluja!

Die Grabeshüter bezeugen es vor dem großen Rat; Todesschrecken warf sie zur Erde nieder.

Die Frauen suchen den Begrabenen; da begegnet ihnen der Erstandene. Sie suchen den Toten, da finden sie den Neulebendigen. Sie sehen Ihn, erkennen Ihn, sinken anbetend nieder vor Ihm; Er ist’s, Halleluja!

„Seid gegrüßt, sagt’s meinen Brüdern; in Galiläa seh’ Ich sie;“ so sprach der erstandene Menschenfreund.

Maria[1] sah Ihn zuerst, den Höllenbesieger; er war’s, der einst die sieben Teufel aus ihr trieb.

Er nennt sie bei ihrem Namen: Maria! Ihr Name aus dem Mund des Erstandenen – fuhr ihr wie Blitz durch die Seele.

Meister! Mehr konnte sie nicht sagen; der Gekreuzigte lebet wieder, Halleluja!

Am Wege nach Emmaus sahen Ihn die zwei Jünger; der Neulebendige war ihr Gefährte.

Auch Petrus sah Ihn; seinen Herrn, den er vor drei Tagen dreimal verleugnet.

Auch die Elf sahen Ihn, sahen Ihn Fisch’ und Honig essen; Er lebet wieder.

Sie sahen die durchbohrten Händ’ und Füße, und hörten die vertraute Stimme; sie sahen, hörten, zitterten, zweifelten, glaubten, jauchzten, Halleluja!

Die Elf sahen Ihn nach acht Tagen wieder; sie freuten sich mit unaussprechlicher Freude, dass sie wieder sahen den herrlich Erstandenen.

Auch Thomas sah Ihn, legte den Finger in die Nägelzeichen, und die Hand in die Seite des Ewiglebenden; sah Ihn, berührte Ihn, und zweifelte nicht mehr, Halleluja!

Fünfhundert Brüder sahen Ihn auf einmal, tausend Augen sahen Ihn; er ist erstanden, der Durchbohrte, der Durchstochene lebet wieder, Halleluja!

Thomas, Johannes, Petrus, Nathanael, Jakobus und noch zwei Jünger gingen fischen, und fingen nichts die ganze Nacht; beim Morgenrot steht Jesus am Gestade! Halleluja!

„Zur Rechten des Schiffes werfet das Netz hinein“; sie werfen das Netz hinein, und konnten’s nimmer an sich ziehen; so voll war es von dem Segen des Auferweckten.

Da erkannte der Schoßjünger seinen Herrn; der Herr ist’s, der Herr, der Neulebendige, Halleluja!

Der Liebende ruft seine Freunde zum Frühstück; kommet, esset, der die Seinen liebte bis in den Tod, lebet wieder, Halleluja!

Sie essen, der Auferstandene gibt ihnen Brot und Fische; der Vater in seiner Kinder Mitte – speiset seine Kinder.

Sie essen, keiner fragte Ihn, wer bist Du? Sie wussten’s; es ist der Herr, Halleluja!

Was die Jünger sahen, bezeugten sie vor dem Volk und hohen Rat: Den ihr an’s Kreuz geheftet, den hat der Herr erweckt, Halleluja!

Petrus verkündet die Auferstehung seines Herrn vor aller Welt; keine Magd, kein Fürst, kein Tod erschreckt ihn mehr.

Auch Paulus sah Ihn, den er verfolgte; er hörte die Stimme des Erhöhten zur Rechten Gottes: Saul, Saul, was verfolgst du mich?

Was Paulus mit Augen sah, bezeugt er vor aller Welt; er ward ein mächtiger Zeuge des Lebendigen, Halleluja!

Was die Boten des Herrn gesehen und gehört, das können sie nicht verschweigen; sie zeugen von ihrem Herrn mit Wort und Tat, Wunder und Blut.

Die Boten des Herrn lügen nicht; erstanden, erstanden ist der Herr, Halleluja!

Gottes Geist lügt nicht; erstanden, erstanden ist der Herr, Halleluja!

Jesus erschien seinen Freunden; Johannes, Petrus, Nathanael sahen Ihn; Jesus lebt, Halleluja!

Jesus sprach innerhalb vierzig Tagen öfters mit seinen Freunden von dem Reich Gottes; Jesus lebt, Halleluja!

Jesus fuhrt sichtbar gen Himmel auf, und setzte sich zur Rechten seines Vaters; Jesus lebt, Halleluja!

Jesus sandte seinen Geist den Seinen statt Seiner herab; Jesus lebt, Halleluja!

Jesus wird wiederkommen, wie Er aufgefahren; Jesus lebt, Halleluja!

Auch ich glaube an Ihn, als wenn ich Ihn gesehen hätte; selig, die glauben, und nicht gesehen haben.

Auch ich glaube an Ihn, als wenn ich meine Hand in die durchstochene Seite gelegt hätte; Herr, stärke meinen Glauben!

Auch ich glaube an Ihn, als wenn Er mir erschienen wäre, und mich bei meinem Namen genannt hätte; Herr, stärke meinen Glauben!

Auch ich glaube an Ihn, wie Maria und Johannes, wie Paulus und Nathanael, wie Petrus und Thomas; Herr, stärke meinen Glauben!

Mein Herr, mein Gott! Tot warst Du und lebst wieder; Du bist der Neulebendige, der Ewiglebende aus allen Schlafenden, Halleluja!

Du bist das Leben und die Auferstehung, Halleluja!  

(WW 25; unter "Gedichte und Lieder § 2")