Melchior von Diepenbrock 

Melchior von Diepenbrock wurde am 6. Januar 1798 in Bocholt in einem westfälischen Adelsgeschlecht geboren. Zwar hochbegabt und von hoher Feinfühligkeit bereitete er doch durch seine unbändige Lebenslust und seinen zügellosen Freiheitsdrang seinen Eltern viele Sorgen. Ein Erzieher kapitulierte, da Diepenbrocks kühnen Knabenstreiche ihm Verdruss bereiteten; auch ein Knabeninstitut bei Münster wurde dieses "westfälischen Wildfangs" nicht Herr und sandte ihn zurück. 

Nur mit halber Schulausbildung ausgestattet kehrte er zu seinen Eltern heim. Mit 17 Jahren nahm er am deutschen Befreiungskrieg teil und brachte es bis zum Offizier; doch der dem Krieg folgende Friedensdienst behagte ihm nicht; mehrmals verweigerte er den Gehorsam und musste die militärische Laufbahn verlassen. Wochenlang schwankte Diepenbrock zwischen Selbstmordgedanken und Auswanderungsplänen. 

In dieser Situation begegnete er im Jahr 1817 als 20-Jähriger zum ersten Mal Sailer, der gerade zu Besuch war. Obwohl sich Diepenbrock Mühe gab, der Begegnung mit dem fast 70-jährigen Geistlichen auszuweichen, ließ sich eine kurze Begrüßung doch nicht umgehen und Sailer nutzte die Gunst, um das Sorgenkind der Familie zu einem Spaziergang einzuladen. Nach 30 Minuten kehrte Diepenbrock völlig verändert zurück. Zwar ist der Inhalt des Gespräches zwischen beiden ihr Geheimnis, doch die Wirkung war für Diepenbrock umwerfend: Unter Sailers Einfluss gab er sein unstetes Leben und seinen Jähzorn auf und wandte sich dem Studium der Rechte und der Theologie zu. Sailer wurde nicht nur in Landshut sein Lehrer, sondern blieb zeit seines Lebens sein Führer, sein Berater und sein Freund.

Am 27. Dezember 1823 empfing Diepenbrock in Regensburg die Priesterweihe. Sailer ernannte ihn zu seinem Hauskaplan und Geheimsekretär. Elf Jahre hindurch lebte Diepenbrock in engem Kontakt mit Sailer, der als Weihbischof und Bischof schon in hohem Alter stand und froh war, in Diepenbrock einen treuen, guten Helfer gefunden zu haben.  

1845 wurde Diepenbrock Fürstbischof von Breslau, 1850 Kardinal. 

Gestorben ist er am 20. Januar 1853 auf Schloss Johannesberg.  

Diepenbrock schrieb ein bewegendes Zeugnis über Sailer (siehe hier).