Martin Boos  

Geboren wurde Martin Boos am 25. Dezember 1762 in Huttenried, gestorben ist er am 29. August 1825 in Sayn.  

Früh verwaist, wurde er von seinem Onkel erzogen. Er besuchte das Gymnasium der Exjesuiten in St. Salvator, bevor er zum Studium nach Dillingen kam und dort Sailers Schüler wurde.  

Nach harten Bußübungen und mystischen Erlebnissen gründete er zwischen 1788 und 1789 er eine Erweckungsbewegung (Allgäuer Erweckungsbewegung).  Diese verstand sich als Gegenströmung gegen rationalistische und offenbarungsfeindliche Züge der radikalen Aufklärung, sowie die oft engstirnigen und ängstlichen Züge der Orthodoxie, die auf ihre Machtposition bedacht war, streng über die Einhaltung der Kirchengebote wachte, doch verinnerlichte Religiosität allzu oft verkümmern ließ. Die Erweckungsbewegung dagegen betonte echte und persönlich gelebte Frömmigkeit in einem gottinnigen Leben, das sich nach der Erweckungsformel "Christus für uns - Christus in uns" Christus und dem lebendigen Glauben an ihn allein verpflichtet weiß. 

Von dieser Bewegung wurde u. a. die Sailer-Schüler Bayr und Schmid erfasst. Sailer stand dieser Bewegung persönlich sehr nahe, doch gehörte ihr nie an. Er bescheinigte von Martin Boos: "Die große Angelegenheit des frommen Boos ist in der Hauptsache aus Gott". Doch versäumte er es nie, auch auf Einseitigkeiten der Bewegung warnend hinzuweisen.

Sailer vermittelte ihn an Bischof Johann Anton Gall in die Diösese Linz an der Donau. Dieser äußerte anerkennend über Boos: "Ihr könnt mir noch zwanzig solche schicken!" Von 1806 bis 1816 wirkte Boos als Pfarrer in der großen Gemeinde Gallneukirchen, doch stellte er seine Tätigkeit für die Erweckungsbewegung auch hier nicht ein. Als Bischof Gall starb, bekam er Schwierigkeiten mit der kirchlichen Obrigkeit, die ihn loswerden wollte. Boos begab sich darauf nach München, wo man ihn 1817 jedoch auswies.  

Die preußische Kultusbehörde der Rheinprovinz schließlich nahm Boos als Professor und Religionslehrer am Gymnasium in Düsseldorf auf, doch wurde ihm die Predigttätigkeit untersagt. 1819 bekam er die Pfarrei Sayn übertragen. Seine feurigen Predigten machten ihn über die Ortsgrenzen hinaus bekannt; da ihm eine gewisse Wundertätigkeit nachgesagt wurde, reisten teils viele Fremde auch aus den umliegenden Ländern an. 

Gestorben ist Boos am 29.8. 1825 in Sayn bei Neuwied an einer Lungenentzündung.

 

Vortrag über Martin Boos: 

Herbert Tik hat im Jahr 2006 anlässlich eines Jubiläums in Gallneukirchen im Rahmen eines Gottesdienstes über Martin Boos gesprochen. Dieser Vortrag wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Zum Nachlesen finden Sie ihn hier.