Sailers TotenmaskeKurzinfo

 

Einen „Kirchenlehrer nicht nur von Deutschland, sondern sogar von ganz Europa“ nannte Papst Johannes Paul II. Johann Michael von Sailer (1751-1832). Philipp Funk sagte von Sailer, er sei „der geistige Führer, der religiöse Meister, ja der Heilige“ seiner Zeit gewesen.

 

Sailer war ein bedeutender Theologe, Schriftsteller und Kirchenmann. Auch war er der Erzieher und später Berater von König Ludwig I. von Bayern, der ihn als "Apostel Bayerns" rühmte, ihn adelte und mit zwei Denkmalen in Regensburg bedachte.

 

Daneben wirkte er als fruchtbarer Schriftsteller. Seine durch Joseph Widmer gesammelten Schriften (herausgegeben von 1830 bis 1841) belaufen sich auf 41 Bände.

 

Er führte in den Wirren der Aufklärung durch seine Predigten, Briefe, Vorlesungen, oder allein durch seine Ausstrahlung Tausende von Zeitgenossen zurück zum Glauben.

 

Dabei begann das Leben Sailers in sehr ärmlichen Verhältnissen. Er wurde am 17. November 1751 in Aresing bei Schrobenhausen in einer armen Schusterfamilie geboren.

 

Nach seinem Theologiestudium (1772-1777) und seiner Priesterweihe (1775) wirkte er als Theologieprofessor in Ingolstadt (1777-1781), Dillingen (1784-1794) und Landshut (1800-1821).

 

1821 wurde er in Regensburg Domkapitular, Weihbischof und Koadjutor, 1829 Bischof von Regensburg. Er starb am 20. Mai 1832.

 

Die unmittelbare Wirkung seiner Person und seines Wortes war außergewöhnlich. Der junge Adelige Melchior Diepenbrock wurde durch ein halbstündiges Gespräch mit Sailer von einer stürmischen Jugend zu einer völlig überraschenden Hinwendung zum Glauben bewegt (er wurde Priester und schließlich Kardinal). Clemens Brentano beendete zu Sailers Füßen die Irrfahrt seines Lebens. Der junge Kronprinz Ludwig von Bayern wurde in der Schule Sailers entscheidend geprägt. Zeitlebens war er voll Bewunderung für ihn.  

 

Die Bedeutung und Ausstrahlung Sailers zeigt sich eindrucksvoll besonders in den Aussagen einiger Zeitgenossen über ihn:

 

"Einen solchen Mann sollte alles, was katholisch ist, mit Gold aufwägen!" (Joh. Kaspar Lavater)

 

"Nur wenige Menschen wirkten so tief auf mich wie der selige Sailer. ... Sailers christliche Innigkeit und Ruhe, vereint mit seltener Menschen- und Herzenskenntnis, leuchteten aus seinem Wesen hervor, so dass er, ohne es zu suchen, von den meisten, die ihm näher kamen, zum ratenden Freunde gewählt wurde. ... Sailers fortgesetzter stiller Umgang mit seinem Herrn ... machte auch tiefen Eindruck auf mich." (Luise Lavater)

 

"Er genoss weithin durch Deutschland bei den Edelsten und Besten den wohlverdienten Ruf und Ruhm eines ausgezeichneten Lehrers, eines beredten Predigers, gelehrten Theologen, fruchtbaren Schriftstellers, erleuchteten Seelenführers, frommen Priesters und apostolischen Bischofs, kurz eines trefflichen, großen Mannes; er war dies alles in hohem Grade." (Melchior Diepenbrock)

 

"Er war ein rechter Evangelist, ein rechter Himmelsbote unter uns, der in meinem Herzen ein neues Licht aufgesteckt hat." (Anna Schlatter)

 

"Sie kennen Sailer nicht, haben ihn nie nennen hören? Den allgemein Gefeierten, Geliebten, den Philosophen Gottes?!" (Bettina von Arnim)

 

"Sailer, neuerwählter Bischof von Regensburg, hielt sich einige Zeit hier und am Rhein auf; welch ein liebenswürdiges Naturell, ein wandelndes Herz mit einer Bischofsmütze!" (Marianne von Willemer an Goethe)

 

"Er war eine wahrhaft apostolische, nichts als Liebe und Milde atmende Natur, deren ganzes Dichten und Trachten darauf gerichtet war, Christen heranzubilden, wie er selbst ein Christ war. ... Keinen anderen Zweck hatte auch seine reiche, überaus rege schriftstellerische Tätigkeit: Führer zu Dem, der die Liebe selbst ist, begehrte er zu sein, und er ist es vielen, vielen Tausend geworden, die ohne ihn am Christentum irregeworden und im weltlichen Treiben untergegangen wären." (Adolf Helfferich)

 

"Er war ein Mann des Gebetes, wie wenige, und zu jeder Zeit alles überall auf Christus und zu Gott hin und davon abzuleiten, war ihm ganz zur Natur geworden. Innigkeit, stete Heiterkeit, Salbung, kindliche Gemütsruhe verbreitete sich über sein geistreiches Angesicht, sprach aus seinen seelenvollen, durchdringenden Augen, offenbarte sich in all seinem Reden und Tun." (Laurenz Schiffmann)

 

"Ein hervortretender Zug in Sailers Charakter war seine Gottinnigkeit. Wenn man ihn beten sah, ward man ergriffen von seiner Versunkenheit in die Andacht. Er betete oft lange bei geschlossenen Augen. Auch wandelte er stets unter Gottes Augen; daher erhob er sehr oft seine Gedanken zu Gott mitten unter seinen Arbeiten, selbst in Gesellschaft." (Franz Seraph Häglsperger)

"Gestern ist der große, fromme, lustige, mutwillige, zärtliche, hüpfende, fliegende, betende, alles umarmende Gottes-Knabe Sailer bei mir angekommen. Sailer küsste und knetete mich wie einen alten bekannten Teig, der ihm unter den Fingern aufgegangen; wir waren sehr lustig und vertraut." (Clemens Brentano)

 

"Täglich, morgens und abends, erbaue ich mich in Sailers Gebetbuch." (König Ludwig I. von Bayern)

 

 

(Diese und weitere Zitate über Sailer: siehe Kalender)