Kurzbiographie

 

Johann Michael von Sailer wurde am 17. November 1751 in Aresing bei Schrobenhausen im Bistum Augsburg geboren. Er war das letzte von sechs Kindern einer Schuster- und Kleinbauernfamilie. In seinem Elternhaus musste er schon früh Armut und Not miterleben, doch erlebte er dort einen Reichtum an Frömmigkeit und Gottvertrauen.  

 

Früh zeigte sich seine hohe intellektuelle Begabung, was den Vater schließlich trotz der Armut dazu bewog, seinen Sohn in München auf einer höheren Schule studieren und ihn einen Geistlichen werden zu lassen. Sailer trat 1770 in das Noviziat der Jesuiten in Landsberg am Lech ein, ab 1772 studierte er Philosophie und Theologie in Ingolstadt.  

 

Sailer war von seinen Ordensoberen als Dozent der Theologie vorgesehen, doch die Aufhebung des Jesuitenordens durch ein Breve am 21. Juli 1773 zog diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung. Sailer entschied sich nun dazu, Weltpriester zu werden. Seine Weihe empfing er im Augsburger Dom am 23. September 1775.

Im Sommer 1777 beendete Sailer sein Theologiestudium. Er wurde zum öffentlichen Repetitor für Philosophie ernannt und am 16. September 1780 zum zweiten Professor der Dogmatik berufen. Am 27. Oktober 1780 erfolgte seine Promotion. Sailers erste Professur sollte aber nur von kurzer Dauer sein. Schon 1781 wurde er aufgrund von Sparmaßnahmen der Regierung entlassen. In diesen Jahren ohne Lehrstuhl widmete er sich der Herausgabe seines Vollständigen Lese- und Gebetbuches für katholische Christen, das 1783 erschien und ihn bei Katholiken wie Protestanten berühmt machte.

1784 wurde Sailer durch den Kurfürsten Klemens Wenzeslaus an die neuorganisierte fürstbischöflich-augsburgische Universität Dillingen als Professor für Ethik und der als selbständiges Fach eingeführten Pastoraltheologie berufen. Sailer verbrachte dort die schönsten und sorglosesten Jahre seines Lebens. Durch Sailer erlebte die Universität Dillingen rasch eine große Blüte; von überall her kamen Studenten dorthin, um bei Sailer zu studieren.

Sailers Ruhm entfachte Konkurrenzneid seitens seiner Kollegen. Diese verbreiteten Lügen über Sailer und leiteten mehrere Anklagepunkte an den Kurfürsten weiter. Dieser beschränkte zunächst die Lehrtätigkeit Sailers, bis er ihm, durch dessen Gegner erpresst, 1794 die Entlassungsurkunde überreichte. Als offizieller Grund war der schlechte ökonomische Zustand der Universität aufgeführt. Doch auch in dieser Lage bewahrte Sailer Größe. In seinen zweiten „Brachjahren“ übersetzte und kommentierte er die „Nachfolge Christi“ des Thomas von Kempen und hatte mit deren Veröffentlichung 1794 noch größeren Erfolg als mit seinem Gebetbuch.

1799 wurde Sailer von dem bayerischen Kurfürsten Max IV. Joseph an die Landesuniversität Ingolstadt berufen, die bald darauf nach Landshut verlegt wurde. Dort hatte Sailer die Professur für Moral- und Pastoraltheologie, Homiletik, Pädagogik, bald auch der Liturgie und Katechetik inne. Daneben hielt er allgemeine Religionskollegien und wirkte als Universitätsprediger.

 

Am 17. April 1822 wurde Sailer dem Regensburger Bischof Johann Nepomuk Freiherr von Wolf als Koadjutor und Weihbischof zur Seite gestellt. Am 23. August 1829 folgte Sailer diesem auf dem Bischofssitz nach. Nach einem Schlaganfall vom 19. Mai 1832 verstarb Sailer unter Gebeten und frommen Ausrufungen. „Wie Gott will. Herr, hier bin ich!“, waren seine letzten Worte. Am 23. Mai 1832 wurde er unter großer Teilnahme der Bevölkerung im vorderen südlichen Seitenschiff des Regensburger Doms beigesetzt.