§ 2: Christliche Lieder für Fest- und Gedächtnistage

(WW 25,234-261)

 

 

Weihnachtslied

Es kam die gnadenvolle Nacht:

Wie leuchtete des Mondes Pracht!

Wie freute sich der Engel Schar,

da Jesus Christ geboren war!

 

Wie staunten, beteten sie an,

da sie den Sohn in Windeln sahn!

Wie jauchzt’ und sang ihr strahlend Heer:

Gott hoch im Himmel, Gott sei Ehr!

 

Und Friede herrsch’ und Seligkeit

herrsch’ auf der Erde weit und breit!

Gott freue sich der Menschen! Sei

ihr Gott, dass sich sein Alles freu’!

 

Auf hellen Wolken sangen so

die Engel Gottes himmlischfroh:

Geboren ist, und menschlich weint

der Engel Herr, der Menschenfreund!

 

Die Hirten hatten sie erblickt,

gehört sie – zitternd und entzückt,

sie staunen, beten an, und geh’n,

in Windeln Gottes Sohn zu seh’n;

 

und suchen eilend überall,

und finden endlich Ihn – im Stall,

und stellen freudenvoll – geschwind

sich um die Mutter und das Kind.

 

Und wer das holde Knäblein sah,

war froh und sprach: Der Herr ist da!

Es kommt sein gnadenvolles Reich!

Welch Kind ist diesem Kinde gleich?

 

O, wie viel Licht und Gnade gab

mit Ihm Gott in die Welt herab!

O, wie uns unser Vater liebt,

dass Er den liebsten Sohn uns gibt!

 

Ja, Gottes Lieb’ ist unumschränkt;

ein Gott, der Seinen Sohn uns schenkt,

schenkt alles, was uns heilsam ist,

schenkt alles uns durch Jesum Christ!

 

Am Neujahrstage

 

Wie bald ist uns ein Jahr vergangen!

Schon wieder eins ist angefangen

in Deinem Namen, Jesus Christ,

der ewig sein wird, war und ist!

 

An dieses Tages Morgenstunde

erheb ich Dich mit Herz und Munde.

Wie gut, wie gnädig bist Du doch!

Ich bin, mein Gott, und lebe noch!

 

Ich lebe heute, wie vom Neuen;

ich will mich meines Gottes freuen,

und alle Menschen lad ich ein:

wir wollen unsers Gottes sein!

 

Ihm, der das Dasein uns gegeben,

nur Ihm gehöret unser Leben.

Sein ist die Kraft und Sein die Zeit,

nur Ihm sei unser Tun geweiht.

 

Er sei der Zielpunkt aller Kräfte!

Der Endzweck jeglicher Geschäfte!

Was nur ein jeder wirken kann,

sei nur für Ihn, für Ihn getan!

 

O prüfe jeder doch sein Leben:

Was ist mein Wunsch, was mein Bestreben?

Wie wuch’re ich mit meiner Zeit

nur immer für die Ewigkeit?

 

Das, Seele, sollte jeden Morgen

dein Wunsch, die erste deiner Sorgen,

das dein Gebet und Flehen sein,

der Ewigkeit dich ganz zu weih’n.

 

O stärke, Vater, mein Bestreben,

auf’s Neue meiner Pflicht zu leben!

Vollführe Du, was ich nicht kann,

und führe mich auf eb’ner Bahn!

 

Und wank’ ich oder sink’ ich nieder,

so halte Du mich, richte wieder

mit Deiner Hand den Schwachen auf,

und leite mich in meinem Lauf!

 

Auf Dich soll stets mein Auge schauen!

Auf Dich nur, Herr, mein Herz vertrauen!

Bist Du mein Freund, o Jesus Christ,

so hab’ ich, was mir nötig ist.

 

Dann führe mich durch Angst und Schmerzen;

ich folge Dir mit frohem Herzen!

Bist Du mein Freund, o höchstes Gut,

so wird mein Glaube Heldenmut!

 

Dann setz’ ich, Jesus, Dir zum Preise

mit Freuden meine Pilgerreise,

gestärkt durch Deiner Gnade Wort,

durch alle Dunkelheiten fort!

 

Dann kann kein Unfall mich erschrecken!

Gott kann, Gott will mich ja bedecken:

käm’ Elend, Unglück und Gefahr,

und wär’ dies Jahr mein Todesjahr!

 

D’rum, Vater, Deiner Vatertreue

empfehl’ ich Leib und Seel’ aufs Neue!

Du schenkest mir, ich zweifle nicht,

Licht, Gnad’ und Kraft zu jeder Pflicht!

 

Danklied für die Erlösung Jesu Christi (Am Karfreitag)

 

Du Herr der Welt,

Du Vater aller Dinge!

Du bist zu groß, dass ich Dir würdig singe;

Doch nicht zu groß, dass Dir mein Lied missfällt!

O großer Geist!

Der Wesen Quell und Leben!

Was kann Dir Dein Geschöpf vom Staube geben?

Was für ein Lied, das Deine Größe preist?

Der Himmel kann

mit allen seinen Heeren

Dich, dessen Wink er ist, nicht würdig ehren –

Wie darf der Sünder denn zu Dir sich nah’n?

Doch, Herr, er ist

Dein Wink wie Seraphinen –

und wenn sie gleich Dir stets in Unschuld dienen,

so weiß er doch, dass Du sein Vater bist!

Du liebtest ihn,

so bös’ er ist, nicht minder,

als alle Deine himmlischguten Kinder!

Was tust Du nicht, um ihn zu Dir zu zieh’n?

Wo fang’ ich an,

die Gnaden zu erzählen,

die Du, mein Gott, zum Besten meiner Seelen,

mir Sünder überschwenglich hast getan?

Vor Deinem Thron

seh’n ungefall’ne Scharen

sich Deine Güt’ und Weisheit offenbaren:

Doch ihnen gabst Du nicht zum Bruder Deinen Sohn!

Für mich, für mich,

mein Gott, für uns Verlorne,

verließ Er Deinen Schoß, der Eingeborne,

entäußert’ er der Himmelsfreuden sich!

Er, der schon war,

eh’ jene frühen Sonnen

durch Ihn aus Deiner Hand ihr Sein gewonnen,

Er wird im Fleisch den Sündern offenbar.

Er, ohne den

nichts, nichts hat werden können,

den ehrfurchtsvoll die Himmel König nennen,

der alles hält – durch den die Welten steh’n;

Der, der erwählt

uns Sünder, kommt auf Erden,

ein Mensch, wie wir, uns Sündern gleich zu werden,

zu sein das Licht, das Heil der Welt!

Sein Angesicht

ist Friede, Huld, Erbarmen!

Der Allbereicherer wird gleich den Armen,

und Gnad’ ist, was Er will und spricht!

Der Menschheit Last

liegt auf dem Überguten!

Wie schwer! Er trägt sie still bis zum Verbluten!

O Liebe, die kein Engel fasst!

Unsterblichkeit,

nicht Stunden, Tag’ und Jahre

des Heils erwirbt er uns, der Wunderbare,

der ewig uns und ganz verzeiht!

Wer dürft’ es, wer

von uns Gefallnen glauben,

ach, würdest Du es uns nicht selbst erlauben,

geböt’st Du’s nicht – Erbarmender?

Anbetung Dir

mit jedem neuen Tage,

mit jeder Stund’ und jedem Herzensschlage!

Denn jedes Todes frei sind wir!

Denn unser ist

nun Erd’ und Himmel wieder.

Gott schaut auf uns als seine Kinder nieder,

als seine Brüder Jesus Christ!

Gedanke, voll

von tausend Seligkeiten!

Es weiß kein Menschenherz zu keinen Zeiten,

wie’s Dich, Erbarmer, preisen soll!

 

 

Die Auferstehung Jesu (Am Osterfesttag)

 

Jesus, die erlösten Sünder,

alle Christen danken heut’

Dir, Du Todesüberwinder!

Dir, Du Herr der Herrlichkeit!

Du, der tot warst, lebest wieder,

mit Dir leben Deine Glieder;

uns, die Tod und Grab erschreckt,

hat Gott mit Dir auferweckt!

 

Nieder kamst Du auf die Erde,

Gottes Sohn von Gottes Thron;

trugest jegliche Beschwerde,

littest allen Spott und Hohn.

Menschen hassten Dich, Du Bester,

aller Armen Hilf’ und Tröster!

Dich, Du Labsal jeder Not,

drängten sie bis in den Tod.

 

Willig, Herr, trug Deine Seele

mancher Leiden schwere Last,

bis zum Tod; und in der Höhle

lag Dein werter Leib erblasst.

Endlich frei von aller Plage

ruht Er bis zum dritten Tage;

da kam in das stille Grab

Gottes Herrlichkeit herab!

 

Und der Tote lebte wieder!

Dir sang aller Engel Chor;

alle Thronen sanken nieder,

herrlich gingst Du, Herr, hervor!

Wächter, die Dein Grab beschützen,

sinken totblass vor den Blitzen

Deiner neuen Majestät,

die sich Sonnen gleich erhöht!

 

O, mit welchen Gottesfreuden

strahlst Du aus des Grabes Nacht!

Ewigfern ist alles Leiden,

ganz Dein großes Werk vollbracht.

Liebreich eilest Du, den Deinen

im Triumphe zu erscheinen:
„Seht Mich, Freunde, die ihr bebt,

jauchzet, euer Jesus lebt!“

 

Lebend, zu verschiednen Stunden,

sah’n sie, Herr, Dich dort und hier;

sie berührten Deine Wunden,

sprachen, aßen oft mit Dir.

Deinen Trost und Deine Lehren

ließest Du sie wieder hören;

freudig beteten sie an,

die Dich wieder lebend sah’n!

 

Ja, Du lebst, o Jesus, wieder,

Halleluja, ewiglich!

Mehr als fünfmalhundert Brüder

sah’n mit ihren Augen Dich.

Leiblich red’test Du mit ihnen;

warst dem Saulus selbst erschienen;

Dein und Deiner Freunde Feind

sahe Dich, und war Dein Freund!

 

Jesus, Deines Lebens Zeugen

sagen laut: Er lebt! der Welt:
Ihm soll jedes Knie sich beugen;

Er ist, der Gericht einst hält.

Rufen laut in Schmerz und Banden:

Jesus ist vom Tod erstanden!
Sie, die lebend Dich geseh’n,

hießen Tote aufersteh’n!

 

Um mit Gott uns zu versöhnen,

kamst Du auf die Welt herab;

starbst; (o fließet Freudentränen!)

standest auf aus Deinem Grab!

Jesus (dankt versöhnte Sünder!)

ist des Todes Überwinder;

Heil ist seiner Leiden Lohn;

Jesus ist des Höchsten Sohn!


Jesus ist von Gott gekommen,

der bei Gott im Anfang war.

Bebt, ihr Sünder, jauchzt, ihr Frommen!

Alles was Er sagt, ist wahr.

Alles, alles wird geschehen:

Himmel werden eh’ vergehen,

eh’ ein Wort von Jesus Christ

nicht mehr wahr und göttlich ist.

 

Jesus lebt! Fest steht der Glaube:

Wer auch stirbt, Ihm stirbt er nicht.

Jeden ruft Er aus dem Staube,

und den Bösen ins Gericht.

Wer hier starb, wird auferstehen,

wird unsterblich Jesum sehen;

freudig, wer sich Ihm ergibt,

zitternd, wer Ihn hier nicht liebt.

 

Himmelfahrtslied

 

Frohlock’, mein Herz, weil Jesus Christ

zum Himmel aufgefahren ist,

der Todesüberwinder!

Die Wolke glänzt herab; Er schwingt

sich auf sie hin; der Himmel sing:

Preis Dir, Du Heil der Sünder!

 

Des Himmels Herr, des Menschen Sohn

wird im Triumph zu seinem Thron

vom Vater aufgenommen.

Die Seraphim, die Cherubim,

sie fallen alle hin vor Ihm;

Ihm jauchzen alle Frommen.

 

Welch jubelvolles Siegsgeschrei,

dass Jesus ewig König sei!

Es beugen sich die Thronen.

Der Gottmensch kommt, o welche Freud’!

Er kommt in seiner Herrlichkeit,

im Himmel nun zu wohnen.

 

Ihm neigt sich aller Engel Knie;

Messias, Jesus, rufen sie,

heißt Menschen Engel werden!

Er hat das größte Werk vollbracht;

Sein ist die Wahrheit, Sein die Macht

im Himmel und auf Erden.

 

Wie herrlich bist Du, Herr, -
So lang ich wall’ im Staube hier,

soll sich mein ganzes Herz zu Dir

vom Staub empor erheben.

 

Entreiß durch deines Geistes Kraft,

die alles allenthalben schafft,

mein Herz dem Tand der Erde;

dass ich mit Mut vor deinem Thron,

Sohn Gottes und des Menschen Sohn,

im Kampf gestärket werde.

 

Ja, Herr, Du schaust auf mich herab,

Du, der für mich dahin sich gab!

Lass dies mich stets ermessen;

Du kannst, obgleich Du, Jesus Christ,

im Himmel aller Himmel bist,

doch meiner nicht vergessen!

 

Hab’ ich vollendet meinen Lauf,

so nimm mich in den Himmel auf,

dass ich Dich, Jesus, sehe;

dass ich in deiner Herrlichkeit

von Ewigkeit zu Ewigkeit

vor deinem Throne stehe.


Frohlock’, mein Herz, weil Jesus Christ

zum Himmel aufgefahren ist,

der Todesüberwinder!

Sing Ihm, wie Ihm der Himmel sang,

da Er sich auf die Wolke schwang:

Preis Dir, Du Heil der Sünder!

 

 

Am Pfingstfest (Gebetlied an Gott Vater und seinen Sohn um den Heiligen Geist)

 

Vater, Du, Du kannst mich retten,

wenn mich niemand retten kann.
Beten will ich, immer beten;

schau mich mit Erbarmen an.

Reiß die Wurzel meiner Schmerzen,

reiß die Sünd’ aus meinem Herzen.

Meine Seele steht zu Dir;

sende deinen Geist zu mir.

 

Nichts, als deines Geistes Gnade,

nichts sonst, nichts verlangt dein Kind.

Dann geh’ ich auf rechtem Pfade

sicher, mutig und geschwind.

Dann kann ich mein Fleisch bezwingen,

dann des Geistes Früchte bringen,

dann mich, Vater, Deiner freu’n,

dann des Heiles sicher sein.

 

Darum beug’ ich meine Kniee,

bete, Heiligster vor Dir!
Flehe, Vater, spät und frühe:

Sende deinen Geist zu mir.

Lass mir nichts die Hoffnung rauben,

unterstütze meinen Glauben,

meinen Eifer im Gebet,

das um nichts als Gnade fleht.

 

Sende bald den Geist des Lebens,

Vater Jesu Christi mir.

Oder ist mein Fleh’n vergebens?

Dringt mein Schreien nicht zu Dir?

Nein, ich werde überwinden,

nein, Du wirst von meinen Sünden

durch den Geist mich ganz befrei’n,

Vater, Du wirst Vater sein!

 

Jesus Christus, schau’ mein Schmachten,

höre mich, o Seelenfreund!

Solltest Du ein Aug’ verachten,                                                                                                  

das nach deinem Geiste weint?

Schau, ich dürste nach dem Guten:
Lass mein Herz nicht länger bluten!
Jesus, Jesus, nein, mein Fleh’n

kannst Du länger nicht verschmäh’n!

 

Bist Du denn nicht reich für alle?
Bist Du aller Heiland nicht,

der gestorben ist für alle,

allen seinen Geist verspricht?

Ich, ich glaub’ an mein Versprechen;

lass mich keinen Zweifel schwächen.

Gib mir, was dein Wort verheißt,

gib mir, Jesus, deinen Geist!

 

 

Am hohen Dreieinigkeitsfest. Loblied

 

Gott in der Höh’ sei Ehr’ allein,

sei Dank für seine Gnaden!

Der Herr hat uns, sein Volk zu sein,

erbarmend eingeladen.

Uns wohl zu tun ist Er bereit;

sein Rat ist uns’re Seligkeit.

Erhebet Ihn mit Freuden.

 

Ja, Vater, wir erheben Dich

mit freudigem Gemüte.

Du herrschest unveränderlich

mit Weisheit und mit Güte.

Unendlich groß ist deine Macht,

und stets geschieht, was Du bedacht.

Wohl uns, dass Du regierest!

 

O Jesu Christ, des Höchsten Sohn,

Dich, seinen Eingebor’nen,

Dich sandte Gott vom Himmelsthron,

zur Rettung der Verlornen.

Du, Mittler zwischen uns und Gott,

hilf uns im Leben und im Tod!

Erbarm’ Dich unser aller!

 

O heil’ger Geist, Du Geist von Gott!

Erleuchte, bess’re, tröste,

die Jesus Christ durch seinen Tod

zum Dienst des Herrn erlöste.
Auf deinen Beistand hoffen wir;

verlass uns nicht, so sind wir hier,

und auch einst ewig selig.

 

Das Stabat Mater oder Von den Leiden der Mutter Jesu

 

Schaut die Mutter voller Schmerzen,

wie sie mit zerriss’nem Herzen

bei dem Kreuz des Sohnes steht!

Ach wie bangt ihr Herz, wie bricht es,

da das Schwert des Weltgerichtes

tief durch ihre Seele geht!

 

O wie bitt’rer Qualen Beute

ward die hochgebenedeite

Mutter des Gekreuzigten!

Wie die bange Seele lechzet!

Wie sie zittert, wie sie ächzet,

des Geliebten Pein zu seh’n!

 

Wessen Auge kann der Zähren

bei dem Jammer sich erwehren,

der die Mutter Christi drückt?

Wer muss sich nicht tief betrüben,

der die Mutter mit dem lieben

Sohn in solcher Not erblickt?

 

Für die Sünden seiner Brüder

sieht sie, wie die zarten Glieder

schwerer Geißeln Wut zerreißt;

Sieht den holden Sohn erblassen,

trostberaubt, von Gott verlassen,

und veratmen seinen Geist.

 

Lass o Mutter, Quell der Liebe,

lass die Flut der heil’gen Triebe

strömen in mein Herz hinab!

Lass die Liebe es entzünden,

und es ganz mit dem verbinden,

der für mich sein Leben gab!

 

Drück’, o Heilige, die Wunden,

die Dein Sohn für mich empfunden,

tief in meine Seele ein!
Lass in Reue mich zerfließen,

mit Ihm leiden, mit Ihm büßen,

mit Ihm teilen jede Pein!

 

Lass mich herzlich mit dir weinen,

mich durch’s Kreuz mit ihm vereinen,

sterben all mein Leben lang!

Unterm Kreuz mit dir zu stehen,

unverwandt hinauf zu sehen,

sehn’ ich mich aus Liebesdrang.

 

Gib mir Teil an Christi Leiden;

lass von aller Lust mich scheiden,

die Ihm diese Wunden schlug!

Ich auch will mir Wunden schlagen,

will das Kreuz des Lammes tragen,

welches meine Sünden trug.

 

Lass, wenn meine Wunden fließen,

liebetrunken mich genießen

dieses tröstenden Gesichts!

Flammend noch vom heil’gen Feuer,

deck’, o Jungfrau, mich dein Schleier

einst am Tage des Gerichts!

 

Gegen alle Feinde Stürmen

lass mich Christi Kreuz beschirmen,

seine Gnade leuchte mir.

Deckt des Grabes finst’re Höhle

meinen Leib, so nimm die Seele,

Herr, in’s Paradies zu Dir!

 

Maria, die Hocherwählte

 

Maria, hochentzücket freut

mein Geist sich deiner Seligkeit.

Welch’ eine himmlische, welch’ reine

Freudenquell ist der Gedanke für mich:

So segnete der Herr noch keine

deines Geschlechtes wie dich!

 

Mit freudevollem Auge seh’

ich auf zu dir, Begnadigte!

Zu dir, du Hochgebenedeite!

Welche der Menschheit den Mittler gebar,

der Mensch ward, und im Knechteskleide

Gott, wie der Ewige war.

 

Verheißen war Er Israel,

und auf Ihn harrte Israel.

Es naht die Zeit; o, möcht’ Er kommen!

Seufzte voll Hoffnung ganz Israel schon.

Du seufzest so mit allen Frommen –

ach, und Er wurde dein Sohn!

 

Dein Sohn wurd’ Er, dein Sohn wurd’ Er!

Mehr, denn wir ahnen, segnet Er!

Dein Sohn Er, und – wir seine Brüder!

Siehe, zu dir tritt der Bote hinein!

Bringt dir von Gott die Botschaft nieder;

Mutter des Herrn wirst du sein!

 

Der von uns uns’re Sünden nahm,

der liebevoller Mittler kam.

Wir waren elend und verloren;

Aber wohl uns! Er erbarmete sich.

Wohl dir, Er ward aus dir geboren,

wählte aus Tausenden dich.


Wer lieben und anbeten kann,

der bete Gottes Liebe an!

Wer je sich der Erwählten freute,

denen der Herr Freund und Bruder war,

der freu’ sich dein, Gebenedeite!

Welche den Herrn uns gebar.

 

Maria, die Glaubende

 

Wohl dir, dass du geglaubet hast,

Maria, die, wie wir, im Staube

einst wandelte, und die ihr Glaube

zur Mutter unsers Herrn erhob.

 

Wer hätte wohl in Nazareth,

in Hütten, wo kein Mächt’ger thronte,

wo Unschuld nur und Armut wohnte –

die Mutter uns’res Herrn gesucht?

 

Wie konnte deine Demut dir

wohl je den stillen Wunsch gewähren:

Ach, wär’ ich’s doch, die einst gebären

den Retter uns’res Volkes wird!

 

Der Engel kam – du glaubest nun,

standst da auf der Erwählung Höhe,

und sprachst: Nach deinem Wort geschehe

mit mir: Magd meines Herrn bin ich!

 

Wohl dir, dass du geglaubet hast!

Wir wandeln zwar noch hier im Staube;

doch Kindersinn und froher Glaube

erringet uns auch Seligkeit.

 

Magnifikat, d.i. der Lobgesang der Mutter Jesu

 

Erhebe, meine Seele, Gott,

frohlock’ in Ihm, mein Geist!

Bet’ an, o Glaube, schweige, Spott!

Gott hält, was Er verheißt.

 

Auf seiner Mägde Niedrigste

sah Er mit Gnade doch,

und Gott, mein Heiland, ehrete

die Niedrigste, wie hoch!

 

Mich preiset, mich, die Gott erwählt,

die fernste Nation;

das künftigste Geschlecht erzählt

von mir und meinem Sohn.

 

Allmächtig ist Jehova! Wer,

wer ist so groß, so gut?

So unbeschreiblich huldreich? Der

so große Dinge tut?

 

Die ganze Seele jauchzt Dir zu,

singt: Heilig, heilig! Dir,

Allmächtiger! Was tatest Du,

Allherrlicher! An mir.

 

Wer Dich von Herzen sucht und ehrt,

erfähret deine Treu’:

Ihm wird, so oft dein Ohr ihn hört,

Herr, deine Gnade neu.

 

Unausgestorben, ungeschwächt

durch Sünde, Zeit und Ort,

wirkt von Geschlechte zu Geschlecht,

Herr, deine Wahrheit fort.

 

Herr, deines hohen Armes Kraft

wie siegreich wunderbar!

Wie sinkt, wenn sie sich regt und straft,

vor ihr der Stolzen Schar.

 

Und jede hohe Stirne sinkt,

der Frechen Heer zerstreut

sich Spreu gleich – wenn der Höchste winkt;

wenn Er von ferne dräut.

 

Die Thronen stürzen, Todesraub

ist Fürsten Majestät;

Wenn Er die Demut aus dem Staub’

zum Fürstenthron erhöht.

 

Herr, deine Fülle sättigt gern

den hungermatten Mund;

der stolze Reiche nur ist fern

von Dir und Deinem Bund.

 

Barmherzigkeit und Leben ist

Dein unzerstörbar Reich;

Erbarmer Israels, Du bist

Dir ewig, ewig gleich.

 

Nie, wenn Du einst Dich offenbarst,

wird Dich dein Wort gereu’n;

was Du den frühsten Vätern warst,

willst Du den Enkeln sein.

 

 

Simeon im Tempel

 

Kommt heut’ an eurem Stabe,

ihr Halbverweste schon,

und denket an dem Grabe

an einen Simeon.

 

Er betet in dem Tempel

hinauf zu seinem Gott,

und wird uns ein Exempel

von einem schönen Tod.

 

Still flossen seine Tage,

still, wie der Balsam fleußt;

und hell, wie Sommertage,

so helle war sein Geist.

 

Er soll den Tod nicht sehen

der gotterfüllte Mann,

bis Er von jenen Höhen

den Mittler sehen kann.

 

Er sieht Ihn! Mit Entzücken

drückt Er Ihn an die Brust;

es strahlt von Jesu Blicken

ihm Seligkeit und Lust.

 

Seht doch den frommen Alten

mit flammendem Gesicht

die welken Hände falten,

und höret, was er spricht:

 

„Mit silbergrauen Haaren

kann ich im Frieden nun

zu meinen Vätern fahren,

um sanft, wie sie, zu ruh’n.

 

Die Fülle meiner Freuden,

die Hilfe aus den Höh’n,

das Licht der blinden Heiden,

den Trost hab’ ich erseh’n.“

Nun wird sein Glaube größer,

und sein Entzücken steigt;

er drücket den Erlöser

fest an sein Herz, und – schweigt.

 

Herr, soll ich alt an Jahren,

gekrümmt von Plag’ und Not,

zu meinen Vätern fahren,

so gib mir solchen Tod.

 

Zwar werd’ ich Dich nicht sehen

noch hier, wie Simeon;

doch über jenen Höhen

erwartest Du mich schon.

 

Dann tönen meine Lieder:

Heil mir! Nun seh’ ich Ihn.

Die Himmel hallen wieder:

Heil Dir! Nun siehst Du ihn!

 

Stephanus, der erste Blutzeuge Jesu Christi

 

Frei, wie ein Engel, stand er da,

der Mann vor seinen Richtern;

verborg’ne Wut und Rache sah

aus grimmigen Gesichtern.

Doch Stephanus erzittert nicht,

und schaut mit glühendem Gesicht

hinauf zu seinem Mittler.

 

Sein Adlerauge siehet weit,

weit über blauen Höhen

den Glanz von Gottes Herrlichkeit

und Jesum Christum stehen.

Entzücken bebt ihm durch die Brust,

er stammelt, aufgelöst in Lust:
Ich seh’ den Himmel offen.

 

Nur seine Mörder knirschten Wut,

und blickten ihm Verderben:

Und, Stephanus, dein Marterblut

soll ihre Steine färben.

Schon wallt dein Seufzer hoch hinauf:

Nimm meinen Geist, Herr Jesu, auf –

dann sinkest du zur Erde.

 

Und Felsenstücke stürzen schwer

zermalmend auf ihn nieder;

doch seufzt er nicht – nur betet er

für mörderische Brüder.

Er hebt die morsche Hand und spricht:

Behalte ihre Sünden nicht! –

sinkt nieder und entschlummert.

 

Erbarmer, auf der finstern Bahn

des Todes – darf ich hoffen,

dass meine Seele sprechen kann:

ich seh’ den Himmel offen.

Kann ich gleich nicht mit meinem Blut,

so will ich doch mit Christenmut

Dich in dem Tode preisen.

 

Doch, Vater, eh’ ich sterben muss,

und mir die Worte brechen:

So lass mich doch, wie Stephanus,

für meine Feinde sprechen.

Sein großer Seufzer flamm’ in mir:

Herr Jesu, nimm den Geist zu Dir! –

wer kann mich so verdammen?

 

Maria, die fleißige Hörerin zu den Füßen Jesu

 

Unaussprechlich selig schaute

Dich die Wahrheitshörerin,

unaussprechlich himmlisch taute

Deine Wahrheit auf sie hin.

Jede Silbe, Herr, von Dir

war ein neuer Himmel ihr.

 

Unaussprechlich selig fühlet

sich mein Herz auch: hör’ ich Dich;

unaussprechlich stärkt und kühlet
Deiner Lehre Tröstung mich.

Herr, ach, jedes Wort von Dir

war ein offner Himmel mir.

 

Zugabe

Jesus Christus. Ein Kirchenlied

 

An diesem Orte stehen wir,

wir all’, o Jesus Christ, vor Dir,

und beten mit Gesang Dich an,

der alles hat und alles kann.

 

Der alles gab und alles gibt,

der ewig liebte, ewig liebt.

O, Freude, Freude, dass Du bist,

erweck’ in uns, o Jesus Christ!

 

Du, unsre Weisheit, unsre Kraft,

der alles Gute will und schafft.

Du, Deiner teu’r erworb’nen Schar

ein Vorbild, wie kein Vorbild war.

 

Dich preise Jüngling, Mann und Greis;

und wer von deiner Größe weiß,

der stimm’ in unser Loblied ein,

und zeug’ und ruf’: auch ich bin Dein!

 

Ja, Heil und Leben uns! Du bist

nur Huld und Güte, Jesus Christ!

Erlösung uns in jedem Sinn:

Anbetend sinken wir dahin!

 

Und aus dem Staube rufen wir,

Erbarmer, Heiland!, auf zu Dir:
und Huld und Segen sendest Du

der Sängerschar im Staube zu.

 

O Du, der einst, wie wir, geweint,

du Menschenheil! Du Kinderfreund!

Der manchen Tag und manche Nacht

auf Bergen betend durchgewacht.

 

Du Blutender! Du Sterbender!

Du herrlich Neulebendiger!

Allwaltender! Allherrschender!

Wer preist Dich, dankt Dir würdig, wer?

 

Wer tat für uns, was Du getan?

Wer tat, was deine Gnade kann?

Geneigt ist unsre Seele tief

vor Dir, der uns in’s Leben rief.

 

Schau’ gnadenvoll auf uns herab,

Du, der Unsterblichkeit uns gab!

Du siehst uns, freu’st Dich, Jesus Christ,

der Träne, die im Aug’ uns fließt.

 

Dein Reich ist, Christus, alle Welt,

die Sterne, die kein Engel zählt,

und jeder Berg und jedes Laub,

und jede Sonn’ und jeder Staub.

 

Was auf der höchsten Berge Höh’n

die Augen sehen und nicht seh’n,

die ganze Erde weit und breit

ist Zeuge deiner Herrlichkeit.

 

Lied einer katholischen Pfarrgemeinde nach vollbrachter Kommunion

 

Chor

O, freu’t euch, Brüder, allzusammen,

vereint in Jesu Christi Namen!

Er siehet unser Herzens Drang,

hört seiner Kinder Lobgesang,

hört jeden Seufzer, jede Bitte,

und ist in seiner Kinder Mitte.

Nie ist Er fern, nie ist Er fern!

Und Er, der väterlich uns liebt,

uns immer neue Gnaden gibt,

stets segnend auf uns niedersah,

wie ist Er heute uns so nah!

O, singt Ihm, unserm Gott und Herrn!

 

Die ganze Gemeinde

Ja, vereint in deinem Namen,

singen hocherfreuet wir,

glaubend, glaubend allzusammen,

Mittler, Jesus Christus, Dir!

Für uns litt Er Todesschmerzen,

für uns wollt’ Er alles tun,

und an seiner Kinder Herzen

wollte der Erbarmer ruh’n!

Ja, Er ist in unsrer Mitte,

und wir alle um Ihn her!

Und in unsrer Seelen Hütte

kam herab vom Himmel Er!

Und mit vollem Vatersegen

kam Er, unser Gast zu sein;

kam uns liebevoll entgegen,

kehrte gnädig bei uns ein:

speiste uns mit seinem Leibe,

tränkte uns mit seinem Blut.

O, dass Jeder treu Ihm bleibe,

Ihm, der alles für uns tut.

Christi Leib war unsre Speise,

Christi Blut war unser Trank.

Unser ganzes Leben preise

künftig Ihn und sei Ihm Dank!

 

Chor

So steige deines Volkes Flehen

und Preis und Dank zu deinen Höhen,

Dir, Jesus Christus, lieblich auf!

Wie Abels Rauchwerk sei es Dir,

und deine Kinder bleiben wir –

wir, zu vollenden unsern Lauf

mit Treu’ im Leben und im Tod,

nun neugestärkt vom Engelbrot.

 

Die ganze Gemeinde

Ja, jetzt sind wir deine Kinder,

und wir bleiben’s für und für.

Ach! Wir waren alle – Sünder,

nun sind wir geheiligt Dir.

Wende von uns Sünd’ und Plage,

dass wir uns in Dir erfreu’n.

Gib, dass wir mit jedem Tage

näher, ähnlicher Dir sei’n;

dass wir wachsen in der Liebe,

feuriger stets gegen Dich;

dass wir wachsen in der Liebe,

gegen Brüder brüderlich:

bis wir einst in deinem Namen

dort in deinem Reich bei Dir

uns versammeln, Amen, Amen!

Ewig, Jesus, Dein sind wir!

 

Bei der Taufe eines Kindes

 

Dir, Vater aller Kinder, Dir

eins deiner Kinder bringen wir,

das eine Christin Dir gebar,

als Eigentum und Opfer dar.

 

Des Himmelreiches Mitgenoss

nimm auf in der Gemeinde Schoß,

und weih’s durch Geist und Wasser ein,

dem Menschensohne gleich zu sein.

 

Es sei gerecht und gut und weis’,

nein, sich zum Heil und Dir zum Preis,

werd’ immer mehr durch deine Treu’

von angeborner Schwachheit frei.

 

Wir geben’s hin in deine Hand,

die Taufe werd’ ihm teures Pfand,

dass Du’s durch deinen Sohn befrei’st,

und heiligest durch deinen Geist.

 

Es bleibe treu in deinem Bund.
In der Versuchung heißer Stund’!

Es denke froh in jedem Streit’:

Die Taufe hat mich Gott geweiht.

 

Noch seh’s im letzten Augenblick

auf diesen Bund mit Dir zurück.

Dass Du sein Gott und Vater bist,

sei Trost ihm, wenn sein Aug’ sich schließt!

 

 



[1] Magdalena, Mk 16,9.