§ 1: Christliche Lieder für jeden Tag

(WW 25,227-234)

 

Morgenlied

 

Der Tag ist da und weg die Nacht,

ich bin und lebe noch!
Der Gott, der wieder Tag gemacht,

wie gütig ist er doch!

 

Wer sorgt für uns zu aller Zeit?

Wer gönnt zu Nacht uns Ruh?

Wer schenkt den Müden Munterkeit?

Wer, o mein Gott, als Du?

 

Du machst, dass wir uns wiederseh’n,

Du weckest Leib und Geist;

Du bist’s, der auf- und niedergehn

Die Sonne täglich heißt.

 

Du, bester Gott, durch den ich bin,

der täglich mich erhält,

o schenke mir den rechten Sinn

zu tun, was Dir gefällt.

 

An meine Arbeit will ich nun

Mit Lust und Freude geh’n;

man soll mich immer Gutes tun,

nie bös und träge seh’n.

 

O lass mich gut und liebreich stets,

Du, Gott voll Liebe, sein.

Dir, Jesus, Hörer des Gebets,

Dir glaub ich: ich bin Dein!

 

Du bist, mein lieber Gott, bei mir,

wenngleich ich Dich nicht seh;

und siehst und hörst mich dort und hier,

ich sitze oder geh.


Wenn ich mit freudenvollem Trieb’

das Gute lern’ und tu’:

So bin ich Gott und Menschen lieb,

und hab im Herzen Ruh’.

 

Tägliches Gebet

 

Herr, lehre mich den Wert der schnellen Erdentage!

Schenk mir zu jeder Tat der ernsten Weisheit Wage:

Dass ich: Warum? Wohin? mein Herze stündlich frage;

Nie nach dem schönen Nichts, das lockt und ekelt, jage.

Gib, dass ich Wahrheit ehr’ und Unrecht schweigend trage;

Erleicht’re fremde Not und eig’ne Dir nur klage;

Und eh’ mich zehnfach selbst als einen andern plage –

dass glaub- und liebevoll mein Herz für Dich nur schlage,

und kindlich alles Dir, dem besten Vater, sage;

zufrieden stets mit Dir und treu in jeder Lage,

froh jeder Freude sei, und nie in Angst verzage!

 

Das Vater Unser

 

Vater, unser aller Vater,

der Du in den Himmeln bist!

Alles preise Dich, o Vater,

was durch Dich lebendig ist.

Alle müssen Dich erkennen,

Dich mit Ehrfurcht Vater nennen!

Unverstand und Laster weiche

Deiner Wahrheit, Deinem Reiche!

Alles bete Dich nur an!

Deinen allerbesten Willen

hilf uns, Vater, immerdar

freudig, kindlich, schnell erfüllen,

wie der lieben Engel Schar,

die Dir stets gehorsam war!

Gib uns heut’ und allezeit

Brot und Wasser, Dach und Kleid!

Straf’ nicht Sünden, die uns reuen,

weil wir andern auch verzeihen!

Hilf uns alle Laster meiden,

alles Unglück willig leiden!

Eile, uns von allem Bösen,

allem Unglück zu erlösen!

Du, der alles gibt und schafft,

hast den Willen, hast die Kraft.

D’rum in Jesu Christi Namen

sag ich, Vater, freudig: Amen!

 

Jesus Christus

 

Herr, felsenfest glaub’ ich’s – als wenn ich’s säh’ –

zu Gottes Rechten sitzest Du!

Hoch über alle Höh’n ist deine Höh’:

Dir jauchzen alle Himmel zu!

 

Die Himmel und die Erde sind Dein Werk;

Was ist, das ist von Deiner Hand.

Doch ist die Erd’ Dein liebstes Augenmerk;

sie hat von Dir das teu’rste Pfand.

 

Das teu’rste Liebespfand – dein teures Blut,

das floss auf unsrer Erde nur;

Du suchtest nur – der Menschen höchstes Gut,

erschienst in menschlicher Natur.

 

In menschlicher Natur gingst Du umher

beim Sonnenlicht, am Mondesschein –

voll Menschenschwäch’ – an Gottesglanze leer –

in Knechtsgestalt, nur sündenrein.

 

Nur sündenrein – sonst uns in allem gleich.

Du fühltest Hunger, Durst und Müh’:

doch warst für alle Plag’ an Segen reich,

im stillen Wohltun müde nie.

 

Im Wohltun müde nie. Die Gotteshand

war ausgestreckt zu reinigen,

was unrein war. Und wo sich Glauben fand,

da ließ sich Gottes Finger sehn.

 

Der Finger Gottes winkt dem Wind und Meer:

und Wind und Meer verstummen schon.

Der Finger Gottes winkt dem Teufelheer:

schon stürzt ins Meer die Legion.

 

Nicht nur die Legion, des Satans Reich

ist Deiner Allmacht untertan.

Der Starke band den Schwachen. Auf’s Wort: fleuch’,

flieh’n Satan, Sünde, Tod und Wahn.

 

Für unsre Sünden starbst am Kreuzesstamm

und Deine Plage schafft uns Ruh!

Geschlachtet warst für uns, Du Gotteslamm!

Wir waren lieber Dir – als Du.

 

Du liebtest uns – so tief befleckt mit Sünd –

Du liebtest – Deines Vaters Feind

und wuschest uns zum reinsten Gotteskind,

gebarst uns neu zum Gottesfreund.

 

Zum Gottesfreund umschuf das Sündervolk

Dein Blut, das für uns alle rann.

In Gnadentau zerfloss die Donnerwolk’:

Der Vater blickt uns gnädig an.

 

Den gnadenvollen Vaterblick erwarb

auf Golgatha uns Gottes Sohn.

Das Menschenheil, das ohne Ihn verdarb,

war Seiner Leiden schönster Lohn.

 

D’rum ist die Erd’ sein liebstes Augenmerk,

Er sieht mit Freud’ auf sie herab.

Das Heil der Erd’ ist Seiner Liebe Werk,

Er starb und sank für sie ins Grab.


Er blieb im Grabe nicht – zum Vater auf

Fuhr göttlichschön des Vaters Sohn,

vollendet lorbeerreich – den Heldenlauf,

und sitzt als Herr auf Gottesthron.

 

Herr, felsenfest glaub’ ich’s, als wenn ich’s säh’ –

zu Gottes Rechten sitzest Du!

Hoch über alle Höh’n ist Deine Höh’:

Dir jauchzen alle Himmel zu!

 

 

Fürbitte

 

Erster Vater aller Väter!

Gott, Erhörer treuer Beter!

Lass für and’re meine Bitten

aus in Deinen Schoß mich schütten!

 

Ach! Erweck’ in meinem Herzen

Mitleid mit der Brüder Schmerzen!
Herr, belebe meine Triebe

zum Gebet der Menschenliebe!

 

Schaust Du nicht auf alle Brüder

väterlich und segnend nieder?

Sind nicht alle, keiner minder,

alle Menschen Deine Kinder?

 

Möchten alle Dich erkennen!

kindlichfroh Dich Vater nennen!

Alle Dein Wort gläubig hören!

Alle Dich durch Jesum ehren!

 

Zeige Dich, Du Gott der Götter,

als der Frommen Schutz und Retter.

In der Not und in Gefahren

eile, Dich zu offenbaren!

 

Tröste die, die trostlos weinen!

Stärk’ die Schwachen, hilf den Deinen,

aller Reichen, aller Armen,

Vater, wollst Du Dich erbarmen!

 

Gib den Leidenden und Kranken

Linderung und Trostgedanken!

Unterstütze die, die fallen!

Leite Kinder, die noch lallen!

 

Weisheit, Treue gib dem Lehrer!

Wahrheitsliebe jedem Hörer!

Schenke, bester Vater, beiden

Deines Geistes süße Freuden!

 

Ach, dass ich’s vergelten könnte

jedem, der mir Gutes gönnte!

Sei durch Dich gesegnet jeder

meiner Freunde, meiner Brüder!

 

Sei der Freund von meinen Freunden!

Schenk’ Erbarmen meinen Feinden!

Komm mit Deinem Vatersegen

allen Sterblichen entgegen!

 

Lass sich alle Deiner freuen!

Alle, Vater, Dir sich weihen!

Möchten alle fromm auf Erden

und im Himmel selig werden! Amen.

 

Vor dem Essen

 

Guter Geber, Dank sei Dir!

Du belebst: d’rum leben wir!

Du schaffst Brot und Milch und Wein!

Wer soll Dir nicht dankbar sein?

 

Du, Du segnest Müh und Fleiß!

Alles ist auf Dein Geheiß;

alles, was nur Odem hat;

jeder Halm und jedes Blatt!

 

Jeder Tropfen Wasser ist

Zeuge, dass Du Vater bist!

Du legst Brot auf unsern Tisch,

Du machst munter uns und frisch!

 

Deine Gaben nehmen wir,

Vater, fröhlich nun von Dir,

und genießen brüderlich,

was Du gibst, und preisen Dich!

 

 

Nach dem Essen

 

Du, Vater, der uns Speise gab,

Du sahst mit Huld auf uns herab!

Mit Fried und Dank genossen wir

was Du uns gabst, wir danken Dir!

 

Was, Schöpfer, Deine Hand erschafft,

erhaltest Du mit Deiner Kraft!

Du schenkest uns durch Jesum Christ,

was angenehm und nützlich ist!

 

Wir sehen dankbar auf zu Dir;

erquickt und neubelebt sind wir.

Wir freun uns täglich, dass Du bist,

solang ein Odem in uns ist!

 

Prüfung am Abend

 

Ja, Gott kennt, Gott durchschauet mich;

Er weiß, was ich getan.

D’rum, o mein Herze, prüfe dich,

und schau dich redlich an!

 

Hab ich, bei meinem Tun, an Gott,

und Böses nicht gedacht?
Mit Ehrfurcht, was er mir gebot,

und kindlichfroh vollbracht?

 

War ich in meiner Arbeit treu?

Vor Gottes Aug’ ein Christ?

Bin ich von allem Unrecht frei?

Von Trägheit und von List?

 

Was Gutes hab ich heut getan,

gelernet und gelehrt?

Nahm ich mich des Verlass’nen an,

der Trost von mir begehrt?

 

Hab’ ich in Liebe mich geübt?

Dacht’ ich stets brüderlich?

Ward niemand heut’ von mir betrübt?

Seufzt niemand über mich?

 

Bewacht’ ich heut’ mein Herze stets,

und meine Leidenschaft?

Sucht’ ich mit Eifer des Gebets

zum Kampfe Gottes Kraft?

 

War ich in Gott auch stets vergnügt,

im Glauben immer fest?

Ein Kind, das Gott im Schoße liegt,

weil Christus es erlöst?

 

Wie? Darf ich heute nichts bereu’n?

Kränkt mein Gewissen nichts?

Wird dieser Tag mir freudig sein

am Tage des Gerichts?

 

Und – wie? – wenn Gott in dieser Nacht

mich fordert vor’s Gericht:

Erschräck’ ich vor des Richters Macht,

und Seinem Antlitz nicht?