Erfahrungen, Bekenntnisse, Schicksale

(eigene und fremde)

 

Mein bestes Lehr- und Lernstück
Eines habe ich durch Gottes Gnade gelernt, und kann nie darin auslernen, und muss täglich von vorne anfangen. "Je mehr sich der Menschengeist, Tag und Nacht vor Gottes Antlitz demütigt - in sein Nichts versinkend, und absterbend aller Eitelkeit: desto weiter tun sich die Himmel über ihm auf, desto köstlichere Schätze strömen herab in sein Innerstes, und mit desto größerem Wohlgefallen ruht das segnende Mutterauge der ewigen Vorsehung über ihm."

 

Bessere, hellere, seligere Menschheit fand ich nirgends als da, wo der lebendige Glaube an den einen Gott, an den einen Mittler Christus, und an die eine Kirche Christi - als lebendig mir ins Auge blitzte. Leben quillt aus Leben.

 

Es muss in uns die Brust des Glaubens recht fest gebaut, und das Herz der Liebe durch und durch entzündet sein, wenn der ungläubige, kalte Zeitgeist - uns nicht in den allgewaltigen Strom von Eis und glänzender Nichtigkeit hinein und darin soll mit fortreißen können. 

 

Seitdem mir Gott den Hirtenstab in die Hand gegeben, schenkt er mir auch Liebe zu seiner Herde, und ich gebe beide Schultern den Schäfchen hin, und trage sie heim. Die Demütigen sind eine leichte Bürde; die Stolzen aber gehen lieber auf selbstfabrizierten Stelzen dem Verderben zu - als auf den Schultern des Hirten dem Himmel. 

 

Wo ich Gott gefunden habe
Ich suchte meinen Gott
zuerst auf allen Vieren,
und fand Ihn nicht!
Dann sucht ich Ihn
in der Natur
und fand zwar seine Spur,
Ihn aber nicht. 
D'rauf sucht' ich Ihn in dem Verstand,
und forscht', und zweifelte, und irrte,
und schnitzelte ein Bildchen mir von Gott,
liebkost' es fein - verlor's - 
und fand's nicht wieder!
Jetzt sucht' ich, Suchens müde,
in heil'gen Schriften
und fand ein Bild von Ihm,
von seiner Hand gezeichnet,
und einen Stern.
Ich folgte diesem schönen, hellen Stern.
Und suchte meinen Gott
im Heiligtume. - 
Und fand Ihn hier.

(WW 39,349-353)