Christoph von Schmid

 

Einer der Lieblingsschüler Sailers war Christoph von Schmid (1768-1854), der heute vielen nur noch als Verfasser des Weihnachtsliedes „Ihr Kinderlein kommet“ oder des Kirchenliedes „Beim letzten Abendmahle“ ein Begriff ist. Dabei galt Schmid zu Lebzeiten und bis weit in die Mitte des letzten Jahrhunderts hinein als der Klassiker unter den Kinder-/Jugendschriftstellern. Seine Werke wurden in etwa 24 Sprachen übersetzt. Wie kaum ein anderer verstand er es, sich in die Denkwelt und Sprache der Kinder zu versetzen und diese durch seine Erzählungen zu fesseln und zu begeistern.  

Christoph von Schmid wurde am 15. August 1768 in Dinkelsbühl geboren und wuchs als ältester von neun Kindern in Dinkelsbühl in einfachen und nach dem frühen Tod seines Vaters in ärmlichen Verhältnissen auf, doch verlebte er eine sehr glückliche Kindheit, in der ihm auch der Reichtum des christlichen Glaubens in seiner ganzen Tiefe ins Herz gelegt wurde. Er studierte unter Johann Michael Sailer in Dillingen Theologie, mit dem ihn eine tiefe Freundschaft verband. 1791 empfing er die Priesterweihe und wirkte als Kaplan zuerst in Nassenbeuren und seit 1794 in Seeg im Allgäu, bis er 1796 die Stelle des Schlosskaplans und Schulinspektors in Thannhausen bekam. Während seiner Thannhausener Zeit verfasste er eine „Biblische Geschichte“ für den Schulgebrauch und die Erzählungen „Die Ostereier“ und „Genovefa“, welche neben der Erzählung „Der Weihnachtsabend“ seinen Ruhm als Schriftsteller begründeten. Gerade im Schulunterricht zeigte sich, wie sehr ihm sein Talent, Geschichten zu erzählen, die Zuneigung der Kinder schenkte. 

 

Eine seiner Schülerinnen berichtete: „Er redete mit den Kindern ebenso herzlich wie der freundliche Greis mit Heinrich von Eichenfels, wie Genovefa mit Schmerzenreich [zwei seiner Erzählungen]. Seine Erscheinung in der Schule war jedesmal ein freudiger Anblick für uns Kinder. Alle horchten still seiner freundlichen Rede... besonders aber war dies der Fall, wenn der Gegenstand in Beispielen oder lehrreichen Erzählungen anschaulich gemacht wurde. War der Unterricht geschlossen, dann wurde der liebreiche Kinderfreund noch bestürmt mit dem allgemeinen Bittruf: „Ein Geschichtlein, ein Geschichtlein!“ Selten wurde die Bitte abgeschlagen und mit lächelnder Miene bestieg er nochmals die sogenannte Kanzel in der Ecke des Schulzimmers, wohin ihm lauter heitere Gesichter entgegenstrahlten.“  

 

Sailer gab ihm für sein erzählerisches Talent einst den Ehrentitel „Geschichtsschreiber Jesu – der fünfte Evangelist.“  

1826 wurde er als Domkapitular nach Augsburg berufen. Dort starb er am 3. September 1854 an der Cholera.

 

Literaturhinweis:

è    Creutz, Ursula: Christoph von Schmid 1768-1854. Leben, Werk und Zeitgenossen. Anton H. Konrad Verlag Weißenhorn 2004

 

Weitere Informationen siehe unter Links.

 

Gemälde Christoph von Schmids und zweier Schüler von Liberat Hundertpfund im Haus der Geschichte Dinkelsbühl im Christoph-von-Schmid-Zimmer (Bild ist im Besitz des Historischen Vereins Alt-Dinkelsbühl e.V.)